Kleines Glossar zur venezianischen Ortsnamenkunde

Einzigartig in der Welt, hat Venedig auch eine spezifische Ortsnamenkunde, in der Namen aus dem Dialekt und Bezüge zu Familien, Berufen und lokalen Gegebenheiten tonangebend sind. Nachstehend ein kleines Glossar:

Assassini (Mörder): ein Viertel und eine Gasse in San Beneto erhielten diesen Namen, anscheinend wegen der vielen Morde, die hier in vergangenen Zeiten begangen wurden.
Banco Giro: die im 18. Jh. unter dem Namen Bando del Giro gegründete Staatsbank; gleichnamiger Laubengang in Venedig.
Bande: Geländer. Der Name verblieb auch einer der ersten Brücken bei Santa Maria Famosa, die diesen Schutz besaßen.
Bando: Der Stein der Bulle, auf dem die „Bullen" bzw. Verordnungen ausgerufen wurden, ist ein Säulenstück aus syrischem Porphyr an der Südecke der Markuskirche.
Calli: aus dem Lateinischen „callis". In Venedig sind calli, calli larghe oder callette und caleselle als Verkleinerung
die verbreiteste Bezeichnung für die Strassen/Gassen der Stadt. Erhalten haben sich auch „ ruga" oder als Verkleinerung „rughetta" aus dem Altitaliensichen und für einige wenige, grössere und neuere Strassen das in Italien gebräuliche „vie". Daneben gibt es noch die Begriffe „salizzada", der die ersten, mit Pflastersteinen belegten Gassen benennt: „lista", der die Gassen bezeichnet, wo weiße, in den Boden eingelassene Streifen die diplomatische Immunität vor den Botschaften eingrenzten; „piscina", der an eine Wasserfläche erinnerte; „rio terra", also ein aufgeschüttetes Kanalstück; „ramo", ein Seitenweg einer Gasse.
Campo: der Platz, wobei der Name „piazza" ausschließlich dem Markusplatz vorbehalten ist. Von Campo leiten sich die Verkleinerungen „campiello" und „campazzo" ab.
Canali: in der Stadt teilen sie die Inseln, auf denen Venedig errichtet ist, und bilden ein eigenes Verkehrssystem auf dem Wasser. Es gibt rund ein gutes Hundert: die kleineren Kanäle heißen „rii" oder auch „riello" und „rio menuo (minuto)". In der Lagune bilden die Kanäle die Verkehrswege, die zwischen den niedrigen Wassertiefen ausgegraben wurden und durch „bricole" (Holzpfähle) markiert werden.
Cannaregio: aus dem Lateinischen „cannarecium" oder auch „canacleclum" für ein Sumpfgebiet mit Schilfrohr. Heute ein Stadtviertel in Venedig.
Carampane: die venezianische Familie Rampani (auch Ca´ Rampani) besaß einige Wohnhäuser in San Cassiano, wo eine Gasse und ein Kanal diesen Namen tragen. Die popoläre Bezeichnung geht auf die zahlreichen Freudenmädchen zurück, die hier ihr Quartier aufgeschlagen hatten.
Cason: Gefängnis. Jeses Viertel hatte sein eigenes für zahlungsunfähige Schuldner und für die geringerer Vergehen Beschuldigten.
Dorsoduro: eins der Stadtviertel Venedigs. Der Name rührt vielleicht daher, dass es auf Erdteilen bzw.. Erhöhungen („dosso") errichtet wurde, die härter („duro") als andere waren.
Felzi: eine bewegbare Kabine, die im Winter zum Schutz für herrschaftliche Gondeln aufgestellt wurden.
Fondamenta: So heißen die Gassen längs der Kanäle, da sie als Basis oder Fundament für die Gebäude dienen.
Liston: zu Anfang des 18. Jhs. wurde der Markusplatz mit Trachytplatten aus den Euganischen Hügeln und Streifen („lista") aus weißem istrischem Stein neu bepflastert. Daher rührt wahrscheinlich der Name für öffentliches Gelände
Ponti: sind für das Verkehrssystem in Venedig charakteristisch. Es gibt fast 400, davon ein Achtel in Privatbesitz.
Scoazzera: von „scoazza" oder „spazzatura", also Müll. Von drei Mauern und ohne Überdachung eingefaßte Flächen, die für die Müllsammlung dienten